K100RS (Zweiventiler) - Sitzbank neu beziehen

Mein Mopped: K100RS, alaskablau, Bj. 1984 (VIN: 0016627). Es geht um die Sitzbank mit Griffschalen für den Sozius.

Das Problem mit der Sitzbank fing ganz harmlos an: der Bezug ist am Anfang des Sommers leicht eingerissen (ca. 5mm langer Riß, das Gewebe war nicht durchgerissen). Bis Saisonende (ca. 20 000km) war er dann an mehreren Stellen durch, spröde und rissig. Das Werkl stand den Winter über mit löchriger Sitzbank draußen, dementsprechend sah die Bank denn auch aus. Der Schaumstoff war komplett vollgesaugt, die Grundplatte bereits übel angerostet. Die Sitzbank war mit schwarzem Kunstleder bezogen - einem Stück, ohne Form oder Nähte. Deshalb die Idee, den Bezug einfach selbst zu schneidern.

Ich wollte den alten Schaumstoffkern gerne weiterverwenden, also musste natürlich erstmal der alte Bezug runter. Bei meiner Zicke war er auf der Oberseite mit dem Schaumstoffpolster verklebt, das wiederum großflächig auf die Trägerplatte geklebt war. Der Bezug war um die Kanten nochmal verklebt und mit Blindnieten in Blechstreifen und einer Kunststoffplatte an der Vorderseite der Sitzbank erdbebensicher befestigt.

Abb.: Teile der Sitzbank: Trägerplatte, Polster, Kleinkram und der alte Bezug
\includegraphics[height=6cm, angle=0]{teile} \includegraphics[height=6cm, angle=0]{bezug}

Nach dem Abnehmen der Anbauteile und Entfernen der Nieten mit einem 6mm-Bohrer war das erste (und größte) Problem, das alte Polster vom Bezug und von der Grundplatte zu lösen, ohne es total zu zerbröseln. Das hat ganz gut mit einer alten, nicht zu scharfkantigen Spachtel und sanfter Gewalt funktioniert, etwas Material hab ich dabei aber eingebüßt - das kann man auf dem Bild mit etwas Fantasie erkennen. Da sich tiefere Löcher im Schaumstoff hinterher unter dem neuen Bezug abzeichnen, wurden zwei Krater auf dem Soziussitz mit etwas Filz ausgepolstert, funktioniert ganz gut. Die rostige Trägerplatte wurde mit der Drahtbürste auf der Bohrmaschine entrostet und mit schwarzem Metallschutzlack gestrichen - sollte wieder eine Weile halten.

Beim Entrosten der Trägerplatte sind die Kanten, über die der Bezug später gespannt werden soll, etwas dünn und damit scharf geraten. Deshalb hab ich ein Textilklebeband in einer sehr schönen Farbe (lag gerade rum) darüber gezogen (s. Abb. 1, wer findet das Klebeband?). Ein neuer Bezug war mit dem alten als Muster schnell geschneidert, wenn man rundrum einige Zentimeter mehr Material zurechtschneidet, dann läßt sich der neue Bezug später viel leichter um die Kanten ziehen - schon kanns losgehen.

Abb. 2: die fertige Sitzbank
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\psfig{file=bank, width=0.75\textwidth}\end{figure}

Das Schaumstoffpolster hab ich nicht wieder auf die Trägerplatte geklebt, stattdessen den Bezug auf der Oberseite wieder mit dem Polster verklebt, schön straff (d.h. so fest wie möglich) um die Kanten gezogen und mit dem Träger verklebt. Etwas Wärme, z.B. ein Heißluftgebläse oder ein schöner sonniger Nachmittag macht das Kunstleder weicher, dann lässt es sich relativ einfach dehnen und in Form bringen. Als ziemlich hilfreiches Werkzeug erwiesen sich Leimzwingen und Wäscheklammern (viele!), mit denen sich der Bezug probeweise und zum Kleben prima am Rand der Trägerplatte fixieren lässt. Die Löcher für die Nieten wurden nachträglich in den Bezug gestochen und die Blechstreifen und die Kunststoffplatte mit neuen Nieten (3,2 und 4,0mm) wieder befestigt.

Materialbedarf

Material   Kosten
     
0.5 qm Kunstleder, schwarz 60cm $ \times$ 85cm 10,-
Sprühkleber 200ml 7,95
Lack schwarz liegt rum ...
Klebeband schön liegt rum ...
Blindnieten 3,2mm und 4,0mm ca. 5,-

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Meine Emailadresse: Marcus@Familie-Oettinger.net



M. Oettinger 04/2008